Der Schatten und der Regen
Mal wieder in einen Skandinavier gelesen. Hakan Nesser hat schon eine beeindruckende Liste von Büchern verfasst - doch genau dieser Eindruck drängt sich auf, dass er ein Schnellschreiber ist. "Der Schatten und der Regen" fängt stark an und lässt stark nach - leider. Die Struktur ist in meinen Augen verkopft, eine überflüssige Vierteilung mit Protagonistenwechsel, der fast wie eine Skizze wirkt, die dann doch veröffentlicht wurde. Sprachlich überzeugt er mit der Reise in die Heimat, doch der Krimifall verpufft mit dem Griff in den Zylinder, wo eine belanglose Nebenfigur als Mörder präsentiert wird, die mit den weitschweifigen Spekulationen und Rückblenden im Mittelteil so gar nichts zu tun hat. Die New York Passagen fügen sich gar nicht ein, und viele Gimmicks wirken recht ausgedacht (wenn auch in sich oft mit lässigem Gestus erzählt, betont cool hingeworfen). Der unplausible soll vermutlich besonders tragisch wirken und damit erklärt werden, warum der Mord bis heute nicht aufgeklärt wurde. Und wenn einem die Genauigkeit und Tiefe in einem Strang fehlt, dann wird halt schnell noch ein Todschlag oder Selbstmord hinzugedichtet...

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