Donnerstag, Dezember 28, 2006

2 x Meryl

Enttäuschend, wie langweilig und vorhersehbar "Devil Wears Prada" ist. Genial ist der Titel und das Marketing. Aber die Message? Dass Andy Sachs Charakterentwicklung ist, dass sie sich auch auf das Mode-Chichi einlässt, ist doch genau das falsche Signal. Die Story hängt durch wie ein aus Rentabilitätsgründen in die Länge gezüchtetes Industrieschwein und gefällt sich in einer Aneinanderreihung von vermeintlich satirischen Spitzen gegen die Modeindustrie. Und Meryl? Natürlich macht es Spaß, ihr in ihrer Rolle als toughe Vogue-Chefin Miranda Priestly zuzuschauen - genau für die Dauer der Eröffnungssequenz (die schlauerweise der Trailer ist). Doch dann präsentiert sie die immer selbe Fratze und kriegt unser Mitleid nicht, nicht mal, als sie ungeschminkt auf dem Sofa von ihrer Scheidung erzählt.
Wie anders dagegen als Therapeutin und Mutter Lisa Metzger in "Prime" (Deutsch: Couchgeflüster). Wie gut ist sie geführt, wie sehr leidet man mit ihr mit, obwohl man 1.) ein Mann ist (also ich in dem Fall) und sie 2.) eigentlich auch gar nicht die Hauptfigur ist. Aber Autor und Regisseur Ben Younger verrät seine Figur eben nicht an schnelle Pointen und kann so einen fantastisch unterhaltsamen und berührenden Film schaffen. Und Meryl? Genius!

Mittwoch, Dezember 20, 2006

Babel

"Babel", super Film, unbedingt reingehen! Wie Regisseur Iñárritu selber sagt, geht es um unsere menschlichen Wahrnehmungsmuster weltweit - und die Waffe als Sündenfall, der "Babel" möglich gemacht hat. In diesen Zusammenhang passt Heidi Specognas Film "Das kurze Leben des Jóse Antonio Gutierrez", ein am 7.12. angelaufener Dokumentarfilm über den ersten im Irak gefallenen US-Soldaten. Und er war - wie Iñárritu - Mexikaner. Wie Heidi und ihr Team den Weg dieses Jungen verfolgen und mit anderen, ähnlichen Schicksalen verknüpfen, ist atemberaubend. Selten habe ich solch eine Emotionalität aus Spielfilmen saugen dürfen. Wir erleben José als Straßenkind, als blinden Passagier auf den Güterzügen, die zur amerikanischen Grenze bringen sollen und doch so viele Todesopfer fordern. Wir erleben ihn und andere Mexikaner an der hoch bewachten US-Grenze, gegen die die deutsch-deutsche Mauer eine Mikeymouse-Veranstaltung war. Wir erleben, wie Josés Träume in USA platzen und er für die Armee angeworben wird. Die Rekrutierungsbüro sind an den Haltestellen der Greyhoundbusse, in denen die Unterpriviligierten anreisen... Die US-Regierung weiß die Immigranten zu locken, um für die weißen Söhne des Landes in den Krieg zu ziehen und zu sterben - gelockt mit einem Versprechen auf eine "Greencard". Und als José dann in den Ölfeldern stirbt, auch noch in Friendly Fire, wirkt die Realität viel absurder, als jede Fiktion jemals sein kann. Ein Meisterwerk!

Mittwoch, Dezember 06, 2006

Gangs of Hongkong

Jetzt überschlagen sich die Kritiker wg. Scorseses "Departed" - das Origninal lief beinahe unbeachtet im Forum der Berlinale 2004 (siehe nebenstehenden Link) und wurde letzte Woche nach Mitternacht im ZDF versendet. Ist das der Triumpf des Hongkong-Kinos - oder eben der Triumpf des stardriven Hollywood-Systems? Erzählerisch sind die Asiaten besser, mehr Kohle machen die Amis. Aber die Filmemacher United im Rest der Welt kämpfen weiter, um den Marktanteil der Irakkrieger weiter zu reduzieren. In dem Zusammenhang ist es ja auch befriedigend, dass so ein Ultraschwachsinn wie "Happy Feet" nicht an Platz eins der deutschen Kinocharts springen konnte. Die Amis, so die neueste sozilogische Untersuchung, sind eine Wohlfühlgesellschaft, nichts darf ihr kindisches Cocooning stören, auch kein Kyoto-Protokoll. Hoffentlich erleben wir noch den Niedergang des römischen Reiches...