Donnerstag, Oktober 05, 2006

Blick in den Keller

So Schritt um Schritt zerren die Medien die vermeintliche Wahrheit über Natascha Kampusch ans Tageslicht. Jetzt der S/M Vorwurf - und auf Stern.de nichts sagende Aufnahmen des Täters durch Sicherheitskameras (aber: Es sind die "letzten Bilder"). Mir wird ganz schlecht, wenn ich an die TV kompatible Fassung dieser Tragödie denke - da kann der Erzähler nur gewinnen, wenn er sich auf die moralisch unantastbare Seite des Opfers begibt. Oder etwa nicht? Die Wahrheit ist vermutlich verworrener - und recht erfolglos lief im Sommer Kim-Ki Duks Interpretation einer solchen Liebesgeschichte: "Hwal-Der Bogen", ein Beinahe Stummfilm um einen Mann, der ein Mädchen von inzwischen 14 Jahren auf seinem Boot groß gezogen hat. Sie hat dieses Boot noch nie verlassen, und er will sie bald heiraten. Allerdings kommt einer der vielen Kunden, die einen Angelausflug auf dem Boot gebucht haben, ein Junge im Alter des Mädchens, den Plan ins Gehege. Ein in seiner visuellen Erzählweise sehenswerter Film, der es auch schafft, Bilder für die Sehnsucht des alten Mannes zu finden. /Achtung, Spoiler:/ Dennoch überschlägt sich der Film am Ende, wenn es eine krude Ersatzhochzeit gibt, mit in die Körpermitte treffenden Pfeilen, bevor der Mann das Mädchen in ihr Leben ziehen lassen muss. Wär der Proklopil doch mal ins Kino gegangen.