Dienstag, September 05, 2006

Lady Strikes Back


Nachdem mir eine Fernsehredakteurin gesagt hat, in der Schlußszene eines Drehbuchs soll ich die Handlung so abändern, dass es ohne Handgreiflichkeiten abgeht, grinse ich wieder amüsiert-frustriert in mich hinein. Wie soll da die so oft eingeforderte Fallhöhe entstehen? In Europa wird der Fall Natascha Kampusch jetzt in boulevardesken Fernsehinterviews abgefrühstückt. Andere Länder sind imstande und schaffen daraus Meisterwerke psychologischer Grausamkeiten. Park Chan-Wooks "Old Boy" - ein Mann komm nach 15 Jahren Entführung und Einzelzelle wieder in die Freiheit: unglaubwürdig? Jetzt mit Natascha plötzlich nicht mehr. Was für ein großartiger Film (soll ja in Ami-Land remaked werden, haha). Oder "Sympathy For Lady Vengeance" - ein Film, der den Zuschauer packt und neben aller künstlerischen Qualität am Ende wirklich körperlich weh tut, was nur angemessen ist bei diesem Thema der Rache. Den kongenialen Soundtrack bietet der amerikanische Verleiher im Übrigen - vorbildlich! - zum kostenlosen Download auf seiner Seite an. Einfach dem nebenstehenden Link folgen...

Montag, September 04, 2006

Baby in Venedig

Der SPIEGEL meldet, dass Cuarons neuer Film "Children Of Men" in Venedig endlich für Bewegung sorgt. Sein Harry-Potter war tatsächlich überdurchschnittlich. Und wie so oft in den letzten Jahren kommen die filmischen Impulse eher aus Lateinamerika (denke nur an "Amores perros"), wo Leben und Sterben so viel präsenter ist als in good old europa, das trotz internationaler Krisen immer noch erstaunlich unpolitisch bleibt...
Und doch, wenn man die Zusammenfassung von "Children Of Men" liest: Science-Fiction in 2030, Kinder können nicht mehr geboren werden, eine Heiland-Geschichte vermischt mit Thriller, fragt man sich: Würde man sich das selber trauen? Einmal in den Melo-Topf greifen, Hirn ausschalten und los - so sind wir nicht, zögerlich, ironisch unterwegs, von des Gedanken Blässe angekränkelt. Schade eigentlich...

Sonntag, September 03, 2006

Schreiben heißt Umschreiben

Wieder einer dieser Tage, wo man über einem Drehbuch hängt, das schon weit gediehen ist, aber noch Überarbeitungen braucht. Schreiben heißt Umschreiben.
Immerhin kann ich mich mit dem Miami Vice Soundtrack trösten - und der Film ist doch auch gelungen, obwohl die Geschichte dünn wie eine Briefmarke ist. Kindheitserinnerungen. Imperialistenkacke. Neo-Neon. Auch überhaupt nicht gut. Und doch Michael Mann, der mit Bildern und Musik Stimmungen zu kreieren versteht, was zum Lernen...

Freitag, September 01, 2006

Der Zettel

Am 5. Oktober soll jetzt unter dem Titel "Sommermärchen" Sönke Wortmanns Film über die WM kommen. Na, da sind wir ja gespannt, ob das funktioniert. Gute Sportfilme sind ja wirklich schwer zu machen, zuletzt Pepe Danquardts "Tour-"Film, der sowohl durch einen intimen Blick, aber auch besonders ästhetische Kamerablicke punkten konnte. Er will ja jetzt auch die Huber-Buam auf die Leinwand bringen, während Herr Schönfelder die Besteigung der Eiger Nordwand verfilmen will. Hoffentlich haben sie die richtigen Berater.
Zurück zum Sönke: Seit der Ex-Kanzler persönlich beim Wunder von Bern ein Tränchen verdrückt hat, ist Sönke zum offiziellen deutschen Fußballhofberichterstatter avanciert. Sat1 fiel auch gleich drauf rein und versorgte ihn mit einem warmen Geldsegen für die Serie "Freunde fürs Leben" oder so ähnlich, bis alle deprimiert feststellten, dass Fußballbegeisterung und dramaturgische Kenntnisse nicht deckungsgleich sind.
Aber jetzt, quasi in der Klinsi-Overshoulder und noch ein bisschen mehr (er hat im Teambus gefilmt! und in den Zimmern!!!) hat Sönke die priviligierte Perspektive des multimedial erschlagenen WM-Zuschauers noch mal getoppt und präsentiert uns nach dem Wunder jetzt das Märchen. Und das besteht vor allem darin, dass er sich seinen Kindheitstraum erfüllen konnte, bei seinen Jungs mitzulaufen. Jeder, der ihn in Hof beim samstäglichen Filmtagekick Tore hat schießen sehen, weiß, wie viel ihm das bedeuten muss - und freut sich ganz arg für ihn.